Bewerten Sie noch oder wertschätzen Sie schon?

Hoher Einsatz und starke Leistungen möchten honoriert werden. Danach sehnen sich Menschen sowohl im privaten Bereich als auch auf der Arbeit. In einer zunehmend digitalen Welt wie der unsrigen gilt dies noch viel mehr. Emotionale Intelligenz – bekannt als Begabung, die eigenen Empfindungen, aber auch Gefühle anderer korrekt zu begreifen und auf jene einzuwirken – lautet das Zauberwort, das jedoch viele Menschen nicht aussprechen können oder wollen. Die Wertschätzung im Job ist ein bedeutender Teil davon und relevanter denn je.

So hat die gleichnamige Studie der Personalberatung Rochus Mummert herausgefunden, dass der „Erfolgsfaktor Wertschätzung“ sehr wohl existiert. Eine der zentralen Erkenntnisse der Befragung zirka 100 mittelständischer HR-Führungskräfte: Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter sind auch ein Jahr nach ihrem ersten Arbeitstag im Unternehmen zufrieden. Drei von vier – an sich ein guter Wert. Dass dieser in Firmen mit besonderem Gespür für gegenseitige Wertschätzung bei mehr als 90 Prozent liegt, zeigt vor allem eines: Es lohnt sich, dieses menschliche Bedürfnis als Verantwortlicher in einer Führungsposition ernst zu nehmen.

Was ist Wertschätzung eigentlich?

Wertschätzung bedeutet für viele: Danke sagen, loben und auch mal etwas schenken. Meist ist dafür ein bestimmter Anlass wie eine erbrachte Leistung nötig. Doch sie ist so viel mehr. Denken Sie einmal an Ihre Liebsten und überlegen Sie, wie Sie Ihre Familie oder besten Freunde wertschätzen. Bewerten Sie deren Leistungen strikt nach Plan? Sicherlich nicht. Zwar wissen Sie den Aufwand zu schätzen, der hinter bestimmten Handlungen steht. Und möglicherweise denken Sie auch daran, wie viel Zeit dies gekostet haben mag oder was sonst noch für „Opfer“ erbracht worden sind. Tief in Ihrem Inneren, in Ihrem Herzen, sehen Sie aber den Menschen und erkennen ihn voller Respekt in seiner Gesamtheit an.

Und wie sieht Wertschätzung im Job aus?

Genau so, wie Menschen ihnen nahe stehende Personen im Privaten wertschätzen, sieht Wertschätzung im Job aus – idealerweise. Dies zeigt sich dann daran, dass Menschen in Führungspositionen ihren Mitarbeitern wohlwollend gegenübertreten. Sie präsentieren sich respektvoll, anerkennend und sind im Gespräch aufrichtig interessiert. Lob zu spenden und Dankbarkeit in Form eines Bonus zu zeigen, kommt einem Chef schnell in den Sinn. Doch Geld ist nicht alles. Rat einzuholen und Entscheidungen sowie Projekte an Mitarbeiter zu übertragen, führt jenen die Antwort auf die Frage „Was ist Wertschätzung?“ deutlich vor Augen: genau das. Denn Vertrauen in die Kollegen zu haben, ist so wichtig.

Warum ist Wertschätzung am Arbeitsplatz so wichtig?

Wertschätzung im Job wirkt sich gleich an mehreren Stellen aus. Fehlt sie, kann die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter unmöglich den Peak erreichen. Spürt Ihr Team hingegen, dass Sie sowohl die Leistung als auch das Menschsein jedes Mitglieds ehrlich respektieren, profitieren Sie gleich mehrfach. Sie führen Angestellte, die motivierter, loyaler und kommunikativer sind: Nach einem angenehmeren Arbeitsklima und einer stärkeren Bindung ans Unternehmen sehnt sich doch jeder Chef, oder? Fast automatisch werden Ihre Mitarbeiter leistungsstärker, konzentrierter und – jeder Verantwortliche in einer Führungsposition bekommt feuchte Augen – deutlich zufriedener. Die positiven Auswirkungen auf Psyche und Physis führen auch gleich zu weniger Fehlzeiten, was der Produktivität in Ihrem Unternehmen zugutekommt.

Hand aufs Herz: Zeigen Sie genug Wertschätzung?

Wertschätzung im Job zu zeigen, klingt zwar einfach und banal. Dennoch zeigt die erwähnte Studie der Personalberatung Rochus Mummert, dass hinsichtlich dessen Unterschiede zwischen mittelständischen Firmen bestehen, die das Wohlbefinden von Angestellten deutlich beeinflussen. Ganz generell schadet es demnach nicht, wenn auch Sie sich einmal Ihr Verhalten vor Augen führen. Als smarter Verantwortlicher tun Sie dies ohnehin, doch wie ist es um die Anerkennung Ihrer Mitarbeiter bestellt? Loben Sie jene genug oder – als Kollege – schätzen Sie die anderen Teammitglieder ausreichend? Wischen Sie eine möglicherweise suboptimale Antwort nicht einfach so beiseite.

Keine Wertschätzung, Lob für wenige: Wo lauern Stolperfallen?

Generell sehnen sich Menschen danach, dass ihre Leistung anerkannt wird. Wertschätzung an sich ist am Arbeitsplatz demnach gern gesehen und ein Muss. Fehlende Wertschätzung führt langfristig dazu, dass sich Ihre Mitarbeiter in Ihrer Firma unwohl fühlen und sich nach Alternativen umschauen. In diesem Bewusstsein sollten Sie es aber auch nicht übertreiben: Wer sein Lob regelmäßig wie mit der Kanne über sein komplettes Team ausschüttet, wirkt schnell unglaubwürdig. Ebenso problematisch ist die Bevorzugung von Angestellten – insbesondere dann, wenn mehrere Identisches leisten, aber nicht alle Lob erhalten. Schnell entstehen Neid und Missgunst, was sich auf die Motivation Betroffener, die Kommunikation untereinander und letztlich auf den Erfolg negativ auswirkt.

Gegenüber Mitarbeitern Lob auszusprechen, Dankbarkeit auszudrücken und durch hohe Aufmerksamkeit authentisches Interesse zu zeigen, ist in einer Führungsposition absolut notwendig. Wer diese Fähigkeit nicht besitzt, verschenkt wertvolles Potenzial: Wertgeschätzte Mitarbeiter fühlen sich wohler, haben ein größeres Selbstbewusstsein und sind besonders kreativ. Nichtsdestoweniger ist jeder Ihrer Angestellten anders. Den Wunsch, wertgeschätzt zu werden, hat zwar jeder. Doch während die einen mit niedrigem Selbstwertgefühl verstärkt Ihr Mitgefühl und Ihren Respekt benötigen, ist anderen fehlende Wertschätzung bis zu einem gewissen Grad nicht so wichtig. Ihre emotionale Intelligenz und Ihr Einfühlungsvermögen werden Ihnen dabei helfen, diese Unterschiede wahrzunehmen.

Wertschätzung vermitteln: Lässt sich das lernen?

Selbst dann, wenn Sie bisher stets die Leistungen Ihrer Mitarbeiter zur Bewertung herangezogen und die menschlichen Aspekte weniger beachtet haben, ist nichts verloren. Wertschätzung zu zeigen, lässt sich lernen. Investieren müssen Sie nicht viel. Bereits kleine, aus dem Herzen kommende Gesten genügen. Hören Sie genau hin, fragen Sie nach, lächeln Sie, nicken Sie mit dem Kopf oder klopfen Sie Ihrem Mitarbeiter anerkennend auf die Schulter. Sorgen Sie aber dafür, dass jener weiß, warum Sie ihn gerade loben. Ergo: Wenn die Wertschätzung im Job individuell, begründet und authentisch ist, wird sie beim Empfänger auch genau so ankommen und als echt empfunden.

Wertschätzung im Job: wichtiger Motivationsfaktor mit enormen Auswirkungen

Wertschätzung im Job ist ein echter Faktor, um Ihr Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Zeigen Sie authentisch Dankbarkeit, Respekt und Vertrauen, steigert sich neben der Motivation, Kreativität und Produktivität auch die Bindung an Ihren Betrieb. Gedanken an einen Arbeitsplatzwechsel treten so zumindest aus Gründen fehlender Wertschätzung nicht auf. Zuhören, loben und Aufmerksamkeiten wie einen freien Tag einfließen lassen: Der alles in allem überschaubare Aufwand lohnt sich. Auf Boni oder Gehaltserhöhungen zu verzichten, ist jedoch keine gute Idee. Auch darin zeigen Menschen in Führungspositionen ihren Mitarbeitern Wertschätzung im Job. Wie so oft entscheidet die Balance.